Aktuelle Diskussionen um Sonderausstellung im Bachhaus Eisenach

26. Juli 2016

Über die am 24. Juni eröffnete Sonderausstellung „Luther, Bach – und die Juden“  wird derzeit viel diskutiert. Der Vorstand der Neuen Bachgesellschaft äußert sich dazu in folgender Weise:           

Stellungnahme des Vorstands der Neuen Bachgesellschaft zur Diskussion über die Ausstellung „Luther, Bach – und die Juden“ im Bachhaus Eisenach, eröffnet am 24. Juni 2016

Die oben genannte Ausstellung hat eine Reihe von Diskussionen ausgelöst. Der Vorstand des Neue Bachgesellschaft e.V., der sich satzungsgemäß in besonderer  Weise der Pflege der Bachschen Werke verpflichtet sieht und der Eigentümer des Bachhauses Eisenach ist, gibt hierzu folgende Stellungnahme ab:

  • Martin Luther hat sich gegen Ende seines Lebens (1543) in furchtbarer Weise gegen die Juden positioniert und damit eigenen, früheren Äußerungen (1519, 1523) schroff widersprochen. Von dieser Haltung kann und muss man sich heute unmissverständlich distanzieren. Dass sich aber Bach diese Sicht Luthers auf die Juden zu eigen gemacht hat, können wir nicht erkennen. Etwas Anderes folgt auch nicht daraus, dass einige der in Bachs Nachlassverzeichnis aufgeführten Bücher Schriften judenfeindlichen Inhalt enthalten. Abträgliche Äußerungen über die Juden sind von Bach nicht bekannt.
  • Bach vertonte die biblischen Passionsberichte nach Matthäus und Johannes in der für den damaligen Protestantismus alternativlos gegebenen Form, der Übersetzung Martin Luthers. Das Matthäusevangelium spricht in der Passionsgeschichte von „dem Volk“; bei Johannes steht: „die Juden“. Christliche Hörer nehmen den Johannestext in ihrer überwiegenden Zahl nicht als judenfeindlich wahr (sie identifizieren die Juden mit den in Jerusalem Ansässigen und darüber hinaus mit den Menschen schlechthin), während Menschen jüdischen Glaubens die Formulierungen überwiegend als antijüdisch empfinden. Ob Bach in den dramatischen Volkschören der beiden Passionen tatsächlich „die Juden“ als ethnische oder religiöse Gruppe charakterisieren wollte, oder lediglich einer geifernden, aufgehetzten Menschenmenge mit seinen eigenen musikdramatischen Mitteln Ausdruck verlieh, muss aus heutiger Perspektive offen bleiben.
  • Dennoch ist es richtig, wenn die Frage eines Antijudaismus bei Johann Sebastian Bach thematisiert und ein diesbezügliches Problembewusstsein erzeugt wird. Dies ist wichtig für eine heutige Aufführungspraxis, die einerseits der Matthäus- und Johannespassion als überragenden Kunstwerken gerecht wird und andererseits die Frage des Verhältnisses zu den Juden, die aufgrund der deutschen Geschichte besonders brisant ist, nicht ausblendet.
  • Entscheidend ist, wie wir heute die Musik Bachs hören und verstehen: als ein Kunstwerk aus längst vergangener Zeit, als Glaubensaussage, die die christliche Existenz in der Gegenwart betrifft, oder auch als Dokument einer Auseinandersetzung zwischen Christentum und Judentum. Der Vorstand der NBG geht davon aus, dass die Ausstellung im Bachhaus Eisenach dazu beiträgt, viele Liebhaber der Musik Bachs zu einer Reflexion über den Themenkreis zu veranlassen. Möge dies zu vielfachem, erfülltem Musizieren der Passionen Bachs führen, das durch seine innere Haltung und durch entsprechende Begleittexte keinen Zweifel darüber lässt, dass den Ausführenden und auch dem heutigen christlichen Verständnis der Passionsgeschichte jeder Antijudaismus fern liegt.

 

Neuer Vorstand gewählt

13. Juni 2026

Während des Bachfestes Leipzig hat das Direktorium der Neuen Bachgesellschaft in seiner Sitzung turnusmäßig den Vorstand neu gewählt. Der 1. Vorsitzende Dr. Andreas Bomba wurde schon im vergangenen Jahr gewählt Continue reading

Unser Bach-Jahrbuch ist erschienen

26. Mai 2026

Das Bach-Jahrbuch 2025 ist erschienen! Der 111. Band des seit 1904 bestehenden Jahrbuchs unserer Gesellschaft gibt erneut Einblicke in aktuelle Ergebnisse der Forschung. Er wird eröffnet mit vier Texten, die aus Referaten zu einem im Dezember 2024 veranstalteten Ehrensymposium anlässlich des 80. Geburtstags von Ton Koopman hervorgegangen sind. Eine zweite Serie von Texten entstand im Rahmen des „Forschungsportals BACH – Innovative Dokumentation der Lebens- und Wirkungsgeschichte der Musikerfamilie Bach von den Anfängen bis 1810“, einem 2023 begonnenen und im Rahmen des Akademienprogramms auf 25 Jahre angelegten Langzeitprojekt, das am Bach-Archiv Leipzig angesiedelt ist und in Kooperation mit der Sächsischen Akademie der Wissenschaften durchgeführt wird.

Leider konnte das Bach-Jahrbuch in diesem Jahr nicht mit dem Frühjahrs-Mitteilungsblatt versendet werden. Dafür wird es zur Mitgliederversammlung in Leipzig erhältlich sein. Alle Mitglieder der Neuen Bachgesellschaft, die nicht nach Leipzig kommen werden, erhalten das Bach-Jahrbuch mit dem Herbst-Mitteilungsblatt.

Informationen zu den Jahrbüchern vergangener Jahre finden sich auf unserer Webseite: www.neue-bachgesellschaft.de

Das Bach-Jahrbuch 2025 ist ab sofort im Buchhandel (ISBN 978-3-374-08017-5) für 28,00 € erhältlich. Wir wünschen eine angenehme Lektüre!

Neue Mitgliedsbeiträge ab 2026

20. Dezember 2025

Seit 2018 sind die Jahresbeiträge für eine Mitgliedschaft in unserer Gesellschaft stabil. Leider bleibt auch die NBG nicht verschont von Inflation und Preissteigerungen, so dass sich Vorstand und Direktorium nun nach langer Überlegung Continue reading