Bach-Jahrbuch 2014

100. Jahrgang 2014

INHALT

Anatoly Milka (St. Petersburg), Warum endet die Fuga a 3 Soggetti BWV 1080 / 19 in Takt 239?

Jürgen Essl (Stuttgart), Der Augmentationskanon in BWV 769 – Rekonstruktion eines möglichen Kompositionsprozesses

Christian Ahrens (Bochum), Johann Sebastian Bach, Johann Heinrich Eichentopf und die Hautbois d’amour in Leipzig

Siegbert Rampe (Spiegelberg), Grundsätzliches zur Ritornellform bei Johann Sebastian Bach

Jean-Claude Zehnder (Basel), Kritische Nachbemerkung zum Beitrag vom Siegbert Rampe

Reginald L. Sanders (Gambier, Ohio), Die Hamburger Kirchenmusikreform von 1789 zwischen Tradition und Aufklärung

Jürgen Neubacher (Hamburg), Der Bach-Kopist Heinrich Georg Michael Damköhler und seine Rolle im Hamburger Musikleben der 1770er und 1780er Jahre.
Mit neuen Quellen zur Händel-Rezeption in Hamburg

Uwe Wolf (Stuttgart), Carl Philipp Emanuel Bach, Carl Heinrich Graun und die Kantate „Der Himmel allenthalben“ zum 7. Sonntag nach Trinitatis

Wolfram Enßlin (Leipzig), Anmerkungen zu den Hamburger Trauermusiken von Carl Philipp Emanuel Bach

Peter Wollny (Leipzig), C. P. E. Bachs Rezeption neuer Entwicklungen beim Klavierbau. Eine unbekannte Quelle zur Fantasie in C-Dur Wq 61/ 6

Hans-Joachim Schulze (Leipzig), Zwischen Heinrich Schütz und Johann Nikolaus Bach: Augustus Kühnel. Prolegomena zu einer Biographie des Viola-da-Gamba-Virtuosen und –Komponisten


Kleine Beiträge

Benedikt Schubert (Weimar), „… ohne deshalben den geringsten Streit zu suchen, vielweniger fortzusetzen“ – Neue Erkenntnisse zu Johann Matthesons Rolle im Scheibe-Birnbaum-Disput

Julia Neumann (Berlin), Ein unbekanntes Kompositionsautograph von Melchior Hoffmann in der Staatsbibliothek zu Berlin

Neue Bach-Gesellschaft e.V. Leipzig
Mitglieder der leitenden Gremien

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Das seit 1904 bestehende Bach-Jahrbuch (BJ), dessen 100. Band in diesem Jahr vorgelegt wird, gilt seit langer Zeit als das führende Organ der internationalen Bach-Forschung. In den vergangenen Jahrzehnten sind kaum jemals gewichtige Neuerkenntnisse außerhalb des BJ publiziert worden. Die weltweit hohe Reputation des Periodikums ist wesentlich bedingt durch die strenge Auswahl der Beiträge und den Schwerpunkt auf historisch orientierte Forschungsansätze, wobei neben musikwissenschaftlichen Fragestellungen immer wieder auch verwandte Gebiete (Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte, Theologie, Archäologie usw.) einbezogen werden.

Der diesjährige Band enthält elf große und zwei kleine Beiträge von international renommierten Wissenschaftlern aus Deutschland, den USA, Russland und der Schweiz. Anatoly Milka (St. Petersburg) beschäftigt sich mit der Fuga a 3 soggetti aus Bachs Kunst der Fuge und geht der Frage nach, ob das Werk unvollendet oder lediglich fragmentarisch überliefert ist. Jürgen Essl (Stuttgart) beleuchtet die Kompositionstechnik des außerordentlich komplexen Augmentationskanons aus den Kanonischen Veränderungen über das Weihnachtslied „Vom Himmel hoch, da komm ich her“. Christian Ahrens (Bochum) präsentiert neues Material zur Entwicklung und Verbreitung der von Bach in seinen Leipziger Vokalwerken häufig herangezogenen Oboe d’amore. Siegbert Rampe (Spiegelberg) führt die im BJ 2012 angestoßene Diskussion um die Ritornellform bei J. S. Bach weiter und untermauert seine in früheren Beiträgen entwickelte Definition mit zusätzlichen Argumenten; der Beitrag ist mit einer Kritischen Nachbemerkung von Jean-Claude Zehnder (Basel) versehen.

Ein Block von fünf Beiträgen widmet sich dem Leben, Wirken und musikalischen Umfeld von Carl Philipp Emanuel Bach, dessen 300. Geburtstag im Jahr 2014 begangen wurde. Reginald L. Saunders (Gambier/Ohio) diskutiert die nach C. P. E. Bachs Tod vorgenommene grundlegende Reform der Hamburger Kirchenmusik und spürt den komplexen Hintergründen und Positionen der Akteure nach. Jürgen Neubacher (Hamburg) stellt seine biographischen und quellenkundlichen Ermittlungen zu dem Hamburger Kopisten Heinrich Georg Michael Damköhler vor; neues Licht fällt dabei auf die Konzertreihen des Hamburger Gelehrten Christoph Daniel Ebeling und das Umfeld von C. P. E. Bachs „historischem Konzert“ vom 9. April 1786, in dem unter anderem das Credo der H-Moll-Messe erklang. Uwe Wolf (Stuttgart) stellt neue Erkenntnisse zur Parodiepraxis C. P. E. Bachs anhand der von ihm identifizierten Vorlage (eine Trauermusik von C. H. Graun) der Kirchenkantate „Der Himmel allenthalben“ vor. Wolfram Enßlin (Leipzig) widmet sich dem bislang noch nicht untersuchten Komplex der Hamburger Trauermusiken C. P. E. Bachs und stellt seine Überlegungen zum Werkbestand, zur Aufführungspraxis und zum Werkprinzip vor. Peter Wollny (Leipzig) präsentiert eine kürzlich entdeckte Quelle zu C. P. E. Bachs Fantasie in C-Dur Wq 61/6, die eine Darbietung des Werks auf einem Kombinationsinstrument (Cembalo und Hammerklavier) belegt.

Hans-Joachim Schulze (Leipzig) spürt dem in seiner Zeit berühmten, heute aber weitgehend vergessenen Viola-da-Gamba-Virtuosen Augustus Kühnel nach. Das von ihm präsentierte dichte Netz an biographischen Daten eröffnet neue Einblicke in die mitteldeutsche Musikgeschichte zwischen Heinrich Schütz und Johann Nikolaus Bach.

Der berühmt-berüchtigte musikästhetische Disput zwischen Johann Adolph Scheibe und Abraham Birnbaum über Bachs Kompositionstechnik hat ein breiteres Echo gefunden, als bislang bekannt war. Benedikt Schubert (Weimar) zeigt, dass Johann Mattheson in seinem Vollkommenen Kapellmeister (1740) an mehreren Stellen auf diesen Streit eingeht. Julia Lehmann (Berlin) stellt ein von ihr in den Beständen der Staatsbibliothek zu Berlin entdecktes Kompositionsautograph einer Missa des Leipziger Neukirchenorganisten Melchior Hoffmann vor.