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MitteilungsblattSeit Mitte der siebziger Jahre machte sich eine kurzfristigere Möglichkeit von Wissenswertem und Informativem der Gesellschaft nötig als es die jährlich stattfindenden Mitgliederversammlungen erlaubten. Das war die Geburtsstunde des Mitteilungsblattes. Nach der politischen Wende in Deutschland konnte es erheblich ausgebaut werden. Neben einem Brief des Vorsitzenden werden regelmäßig folgende Rubriken bedient: Personalia, Aus der Geschäftsstelle, Protokoll der letzten Mitgliederversammlung, Berichte und Wissenswertes. Eröffnet wird jedes Heft mit einer literarischen Äußerung zu Johann Sebastian Bach. Aus dem neuesten Mitteilungsblatt Nr.69 im Winter 2011/2012
AUS DER ARBEIT VON VORSTAND UND DIREKTORIUM
Wussten Sie schon, was Halldór Laxness (1902 - 1998) über Bach geschrieben hat? Um mein zwanzigstes Lebensjahr herum hatte ich damit begonnen, mich sehr eingehend mit Bach zu beschäftigen, und ich erhielt einen Sommer lang Stunden beim Organisten Páll Ísolfsson, um „Bach-Phrasieren“ zu lernen. Diese Stunden bei Páll gaben mir den Schlüssel zum Meister, und nicht bloß zu ihm, auch zur Schule, die Bach voranging, besonders zu den italienischen Meistern, in deren Nähe das große deutsche Genie zunächst komponierte und die er dann überflügelte. Immer, wenn ich für längere Zeit irgendwohin fahre, nehme ich Bachs Präludien und Fugen auf die Reise mit, und nie habe ich gezögert, wenn Zeitungsleute ihre klassische Frage stellten: „Welches Buch würden Sie mitnehmen, wenn Sie ein Leben lang auf einer verlassenen Insel mit einem einzigen Buch verbringen müßten?“ Ohne einen Anflug von Zweifel antwortete ich dann: „Das Wohltemperierte Klavier von Johann Sebastian Bach.“ Während einer langen Zeit meines Lebens spürte ich mein Herz höher schlagen, wenn ich diesen Namen hörte. Halldór Laxness, Auf der Hauswiese. Roman [Originaltitel: I túninu heima. Reykjavik 1975]. Aus dem Isländischen von Jón Laxdal. Frauenfeld und Stuttgart 1978, S.133. Brief des VorsitzendenSehr verehrte Damen, sehr geehrte Herren Mitglieder, daß jemandem das „Herz höher schlägt“, wenn sie oder er den Namen Johann Sebastian Bachs hört, ist eine wunderbare Liebeserklärung an unseren Patron. In unserer Reihe, Gedanken zu Bach von Schriftstellern oder Publizisten zu präsentieren, die nun schon seit Winter 1997/98 andauert, folgt in diesem Heft ein in sich geschlossener Text von Halldór Laxness (1902-1998), der an einer verborgenen Stelle seines reichen literarischen Werkes eingetragen ist, nämlich als Abschluß eines Abschnitts mit der Überschrift „Musikalische Übungen“ in einem Roman, der autobiographisch ist, doch keine Autobiographie sein will, seinem Roman „Auf der Hauswiese“ von 1975. Laxness, der als Halldor Gudjonsson 1902 auf dem isländischen Hof Laxness bei Mosfjellsbaer geboren wurde, hatte immer nur das Schreiben im Kopf. Als Jugendlicher las er Freud und Nietzsche, konvertierte 1923 zum Katholizismus, lebte unter dem angenommenen Namen Kiljan in einem Benediktinerkloster in Luxemburg. Er ist beeindruckt von der Bescheidenheit und Selbstvergessenheit der „Nachfolge Christi“. 1927 veröffentlicht er seinen ersten Roman „Der große Weber von Kaschmir“, der ihn sofort bekannt machte. Mit dem Roman „Atomstation“ von 1948 versuchte er, gegen den „Verkauf“ Islands an die Amerikaner zu protestieren, da er die Gefahr einer atomaren Zielscheibe befürchtete; deshalb gerät er in den Verdacht des Sympathisierens mit der Sowjetunion. Doch gerade dieses Werk ist der Grund für den Nobelpreis für Literatur 1955. Von deutscher Seite interessierte sich wegen seiner linken Tendenzen nur die DDR für ihn und gab Übersetzungen heraus. Doch die Ereignisse um den Ungarnaufstand 1956 und der Einmarsch in die Tschechoslowakei 1968 führten zur Abkehr von kommunistischen Ideen. Erst eine deutsche Ausgabe seiner Werke 1996 brachte ihn einem größeren Publikum wieder in Erinnerung. Eher unvermittelt kommt Laxness in dem Roman „Auf der Hauswiese“ auf Bach zu sprechen. An den wenigen mitgeteilten biographischen Daten ist zu sehen, daß sein Interesse an Bach zu der Zeit seines Suchens gehörte. Doch wurde ihm offensichtlich von seinem Lehrer besonders der musikalische Bezug Bachs zu den Italienern mitgeteilt, der sich u.a. in Bearbeitungen von Vivaldi-Werken der Weimarer Zeit niederschlug. Nicht uninteressant ist die Frage, wer Laxness‘ Klavierlehrer war, Páll Ísolfsson (1893-1974)? Er gehörte zu den wichtigsten isländischen Komponisten und Lehrern. Von 1913 bis 1918 studierte er in Leipzig bei Max Reger Komposition, bei Karl Straube Orgelspiel und war einer der Meisterschüler Straubes. Als solcher vertrat er Straube an der Orgel der Thomaskirche, insbesondere seit 1916, da Günther Ramin als Kriegsfreiwilliger eingezogen worden war. Es ist unverkennber, daß es zu dieser Zeit eine Rivalität zwischen Ísolfsson und Ramin um die ständige Vertretung Straubes gab, die Ísolfsson durch Bitte um Entbindung auf eigenen Antrag für Ramin entschied. Später studierte Ísolfsson noch in Paris und wurde Organist an der Kathedrale zu Reykjavik, Direktor des Musikbereichs am isländischen Rundfunk und Gründer und Leiter der Musikhochschule. Hinter uns als Gesellschaft liegen ereignisreiche Monate; natürlich muß zuerst das 86. Bachfest in Wetzlar benannt werden, an das viele gern zurückdenken. Es hat viele Reaktionen gegeben, die insbesondere die überaus harmonische Situation gelobt haben, die zwischen Musik, Stadt und Goethe hergestellt worden ist. Der lange Bericht, den Frau Näher für dieses Mitteilungsblatt geschrieben hat, enthält in sehr anschaulicher Weise die wichtigen Details und den Gesamteindruck. Nochmals spreche ich den Dank aus, der an KMD Eichhorn, Herrn Dr. Bomba als künstlerische Leiter und an den Oberbürgermeister der Stadt Wetzlar, Herrn Wolfram Dette, geht, der Schirmherr des Festes war. Als nächstes nenne ich die Gründung der Johann-Sebastian-Bach-Stiftung. Nach der notariellen Signierung im Mai in Eisenach hat es am 13. Oktober eine erste gemeinsame Sitzung der Gremien gegeben, Vorstand und Kuratorium. Da sind erste Schritte festgelegt worden. Die Stiftung will ihre Gründung, die personelle Besetzung der Gremien und vor allem die ersten Förderziele bei einer nächsten günstigen Gelegenheit in die Öffentlichkeit tragen. Darüber laufen derzeit Gespräche. Ich möchte gern an dieser Stelle meinen herzlichen Dank aussprechen gegenüber allen denen, die beharrlich in den letzten mehr als 10 Jahren mit ihren Beiträgen, größeren und kleineren, dazu geholfen haben, daß nun die Stiftung steht und in ihren Möglichkeiten natürlich ausgebaut werden muß. Es ist uns damit ein Instrument an die Hand gegeben, das in der Lage ist, für die Finanzierung der Projekte der Neuen Bachgesellschaft wesentlich mitzusorgen. Da wir von Seiten der Stiftung in absehbarer Zeit keine andere Möglichkeit zur Veröffentlichung ihrer Vorhaben und Ergebnisse haben werden, wird auch weiterhin das Mitteilungsblatt der NBG der Ort sein, an dem berichtet wird. Im Blick auf das Bachhaus in Eisenach habe ich die angenehme Aufgabe, zwei Mitarbeitern anläßlich eines Jubiläums herzlich danken zu dürfen: Herr Uwe Fischer ist seit dem 1. September 1986 als Instrumentenwart und Frau Gisela Bursitzke seit dem 16. Oktober 1986 als Erste Verkäuferin tätig; sie sind also in diesem Jahr bereits 25 Jahre Mitarbeiter im Bachhaus. Wer ein wenig die Zahl reflektiert, kann sich vorstellen, daß – insbesondere in den ersten Jahren – diese Tätigkeit mit entscheidenden Veränderungen verbunden war. Auf der anderen Seite ist es auch ein deutlicher wechselseitiger Treueerweis, wenn in Zeiten von großer Mobilität und Arbeitslosigkeit solche lange Verbindung erhalten bleibt. Beiden sei von dieser Stelle herzlich gedankt und für die Zukunft viel Gutes gewünscht. Noch etwas Wichtiges zum Bachhaus: Dort gibt es jetzt Eintrittskarten, auf deren Rückseite ein Formular gedruckt ist, das ganz unkonventionell die Mitgliedschaft in der Neuen Bachgesellschaft mit Anschrift und Unterschrift besiegeln läßt. Bitte machen Sie Menschen in Ihrer Umgebung darauf aufmerksam, daß sie das Bachhaus in Eisenach besuchen und damit auch die unkomplizierte Möglichkeit zum Erwerb der Mitgliedschaft in der NBG haben. Natürlich werden Computernutzer sagen, daß das über diese Möglichkeit schon seit langem möglich ist. Da entgegne ich: Ja, aber mit der Benutzung des Computers ist man noch lange nicht als Besucher im Eisenacher Bachhaus. Ich würde mich freuen, wenn meine Argumentation für möglichst viele Menschen Anlaß wäre, das Bachhaus zu besuchen und – sofern das noch nicht der Fall gewesen ist – natürlich auch … Denn das Bachhaus hat es sehr nötig, immer auch erneut aufgesucht zu werden. Als Mitglied der NBG hat man überdies freien Eintritt. Im nächsten Jahr haben wir das 87. Bachfest in Görlitz vor uns. Denen, die es miterlebt haben, ist noch deutlich die freundliche und werbende Rede in Erinnerung, die zur Mitgliederversammlung in Wetzlar Herr Bürgermeister Dr. Wieler gehalten hat. Daran möchte ich anknüpfen und Sie alle ganz herzlich nach Görlitz einladen. Kürzlich konnte ich zusammen mit meiner Frau und meiner Schwester samt Mann kurz vor ihrer Schließung die sächsische Landesausstellung in Görlitz noch besuchen, die dort zu besichtigen war; sie stand unter dem Thema „Via regia“. Eine erstaunliche Reihe hochinteressanter Exponate rückte auch sehr nahe an Bach und seine Zeit in Leipzig heran. Noch hat bisher niemand die lange schon vermutete Anwesenheit Bachs in Görlitz belegen können. Sicher werden wir zum Bachfest in Görlitz auch mit diesem Thema zu rechnen haben. Im nächsten Jahr steht aber auch das große Jubiläum Thomana 800 vor uns, was uns als NBG nicht unbeeindruckt lassen kann und darf. Es steht unter dem Thema „Glauben – Singen – Lernen“. Bitte nehmen Sie als Mitglieder die diversen Einladungen zu Festwochen, Festmusiken, Vortragsreihe und Kongreß zur Kenntnis. Ebenso empfehle ich Ihnen neben einer Reihe von Publikationen (hier im Mitteilungsblatt z.B. der Hinweis auf das Buch von Frau Näher) die Festschrift, die erscheinen wird (hrsg. von Stefan Altner und mir). Zuletzt und dennoch nicht zuletzt mein Gruß und Dank an einige wichtige Persönlichkeiten unserer Gesellschaft: Zuerst an Herrn Dr. Peter Roy, dem ich zu seinem 75. Geburtstag zwar persönlich geschrieben habe, doch dann dies im letzten Mitteilungsblatt zu erwähnen vergaß, was ich sehr zu entschuldigen bitte. Er hat ja das große Glück, in jedem Jahr den Geburtstag mit unserem Namenspatron zusammen feiern zu können. Seit vielen Jahren betreut er ehrenamtlich unsere Homepage und holt dabei fachliche Beratung bei seinem Sohn ein, wofür ich besonders dankbar bin. Als Webmaster sorgt er nicht nur für den aktuellen Status, sondern auch für die Verbindung zu den Übersetzern unserer Texte ins Englische und ins Französische, was mit hoher Aufmerksamkeit verbunden ist. Außerdem ist er nicht selten Autor von Beiträgen für unser Mitteilungsblatt und regelmäßig zu unseren Bachfesten zusammen mit seiner lieben Frau anwesend. Ich bin froh über seine Mitarbeit, die er weiterhin gern tut, auch wenn seine Beanspruchung durch den in diesem Jahr übernommenen Vorsitz beim Thomanerbund e.V. nicht gerade weniger geworden ist. – Sodann feierten runde Geburtstage Ende Juni Herr Michael Rosenthal 70., Herr Dr. Peter Wollny 50. und im Oktober Herr Reimar Bluth den 70. Allen habe ich persönlich mit einem Schreiben gratuliert und gedankt. Da gäbe es viel in Erinnerung zu rufen. M. Rosenthal und ich übernahmen zusammen auf der wichtigen Sitzung des Direktoriums im April 1990 Vorstandsämter, er gehört zu den Mitinitiatoren der Johann-Sebastian-Bach-Stiftung und war kurze Zeit mein Stellvertreter. R. Bluth hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten sich sehr verdient gemacht um die Vorbereitung vieler Bachfeste durch persönliches Engagement. P. Wollny galt immer als erfreulich junger Mitstreiter im Direktorium; sosehr ich für inzwischen viele Jahre dankbar bin, die er bereits als Herausgeber des Bach-Jahrbuches tätig ist, möchte ich doch gern die Zeit wieder zurückdrehen und seine Jugend ein wenig festhalten. Nun grüße ich Sie alle herzlich und wünsche Ihnen viel Gutes im neuen Jahr, Prof. Dr. Martin Petzoldt
Johann-Sebastian-Bach-StiftungWie im letzten Mitteilungsblatt berichtet, liegt nun die behördliche Anerkennung der Stiftung vor. Wir freuen uns, dass der lange, und manchmal sehr beschwerliche Weg durch die Instanzen nun zum Ziel geführt hat. Eberhard Lorenz
87. Bachfest der NBG in Görlitz vom 7. bis 16. September 2012
Sehr geehrte Damen und Herren, die Europastadt Görlitz-Zgorzelec freut sich 2012 auf ein besonderes Ereignis: Unter dem Motto „Die Reformation und die Musik“ wird sie Ausrichterstadt des 87. Bachfestes der Neuen Bachgesellschaft e.V., Sitz Leipzig, sein. Mit freundlichem Gruß aus der Europastadt Görlitz-Zgorzelec,
KONZEPT BACHFEST 2012 Das Bachfest 2012 in Görlitz und die Lutherdekade 2008 - 2017 Im Jahr 2012 wird das 87. Bachfest der Neuen Bachgesellschaft vom 7. bis zum 16. September in Görlitz ausgerichtet und unter das Motto "Die Reformation und die Musik" gestellt. Dies ist zugleich das Motto des Themenjahres innerhalb der Lutherdekade 2008 - 2017, die von der Geschäftsstelle der Evangelischen Kirche in Deutschland in Wittenberg koordiniert und vermarktet wird. Für die evangelischen Kirchgemeinden wird das Motto eine zusätzliche Motivation darstellen, sich für den Besuch des Bachfestes in Görlitz einzusetzen und die Veranstaltungen auch selbstwahrzunehmen. Herr Dr. Hans-Wilhelm Pietz, Regionalbischof im Sprengel Görlitz der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, hat diesbezüglich seine Unterstützung bereits zugesagt.
Das Bachfest 2012 in Görlitz als Netzwerkprojekt Die Görlitzer Kulturservicegesellschaft mbH wurde mit der Koordination des Bachfestes 2012 am 10. Februar 2011 durch einen Beschluss des Stadtrates der Großen Kreisstadt Görlitz beauftragt. Im Hinblick auf die Möglichkeiten der Stadt Görlitz und der Region liegt dem Bachfest 2012 ein Netzwerkkonzept zugrunde. Zahlreiche Akteure beteiligen sich mit eigenen Beiträgen am gesamten Vorhaben und tragen auch den Hauptanteil der Kosten ihrer Veranstaltungen. Zu den Projektpartnern zählen zum jetzigen Zeitpunkt:
Das Programm für das Bachfest 2012 umfasst gegenwärtig rund 40 Veranstaltungen (siehe www.bach-fest-goerlitz.de). Durch die Görlitzer Kulturservicegesellschaft mbH werden die koordinierenden Leistungen, die Gesamtorganisation und die Öffentlichkeitsarbeit (Programmheft, Werbemedien und Distribution etc.) geleistet. Um die überregionale Bewerbung des Bachfestes 2012 in Görlitz bestmöglich durchzuführen, wurde eine enge Zusammenarbeit mit der Europastadt Görlitz-Zgorzelec GmbH, der städtischen Marketinggesellschaft, eingeleitet.
Das Bachfest 2012 in Görlitz-Zgorzelec Im Rahmen ihrer Aktivitäten als Projektkoordinator hat die Görlitzer KulturservicegesellschaftmbH von Anfang an eine räumliche und inhaltliche Erweiterung des Bachfestes 2012 auf Zgorzelec, den polnischen Teil der Europastadt, angestrebt. Unterstützt durch die Stadtverwaltung Zgorzelec konnten bereits zwei Projekten in Zgorzelec entwickelt werden. Zum einen findet vorabim Mai 2012 ein Wettbewerb für Kinder und Jugendliche zum Thema „Bachs Leben und Schaffen“, organisiert durch die Staatliche Musikschule in Zgorzelec, statt. Zum anderen wird es in dem gesamten Zeitraum des Festes täglich kurze Bachkonzerte in der Bonifaziuskirche geben. Weitere Projekte befinden sich derzeit in Planung. Durch die Beteiligung der Stadt Zgorzelec entstehen auch gemeinsame Aktivitäten im Bereich Werbung und Öffentlichkeitsarbeit. Das Ziel ist, das Bachfest beiderseits der Grenze bekannt zu machen und es gemeinsam mit Leben zu erfüllen und zu feiern.
Bach-Jahrbuch 2011Das seit 1904 kontinuierlich erscheinende Bach-Jahrbuch ist weltweit das angesehenste Publikationsorgan der internationalen Bach-Forschung. Jahr für Jahr bietet es Beiträge namhafter Wissenschaftler über neu Entdecktes und neu Gewertetes zu Leben und Werk von Johann Sebastian Bach und anderen Mitgliedern seiner Familie. Der Jahrgang 2011 wird eröffnet mit einem Beitrag von Christoph Wolff über Bachs Oratorien-Trilogie und die „große“ Kirchenmusik der 1730er Jahre, die nach den Kantatenjahrgängen der 1720er Jahre einen neuen künstlerischen Akzent setzt. Hans-Joachim Schulze behandelt, ausgehend von einem Bericht des Berliner Musiktheoretikers Friedrich Wilhelm Marpurg, Aspekte der komplexen Beziehungen von Text und Musik in einer
Chorfuge Bachs. Peter Wollny stellt einige „Fundstücke“ aus Bachs letztem Lebensjahrzehnt vor, darunter eine neu aufgetauchte Bibel mit Bachs eigenhändigem Besitzvermerk, eine unbekannte Abschrift der Chromatischen Fantasie und ein autographes Schriftzeugnis aus dem Jahr 1750. Andrew Talle und Peter Wollny beleuchten in zwei einander ergänzenden Beiträgen das Leben und Wirken des Braunschweiger Organisten Carl August Hartung, der eine wichtige Rolle in der Überlieferung Bachscher Werke in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gespielt hat. Maria Hübner spürt den Wohnungen W. F. Bachs in Halle nach. Die Kleinen Beiträgen befassen sich mit dem verschollenen Porträt von Bachs Frau Anna Magdalena (M. Maul), dem Meckback-Akrostichon im Text der Kantate BWV 150 (H.-J. Schulze), der apokryphen Toccata BWV Anh. 85 (B. Koska), den Scheibe-Orgeln in Zschortau und Stötteritz (L. Edwards Butler), einem Bach-Dokument aus München (M. Rathey), der Genese des Auferstehungs-Oratoriums von C. P. E. Bach (J. Grant) und der Lebensgeschichte von J. S. Bachs Bruder Johann Jakob (R. Pegah). Peter Wollny
Mitteilungen des Thomanerchores
800 Jahre THOMANA – glauben – singen – lernen Unmittelbar nach der Rückkehr des Thomanerchores von seiner Jubiläumstournee nach Korea, Japan und Großbritannien Anfang März 2012 beginnt in Leipzig die Festwoche des Chores. Zentraler Teil ist der Festakt am 20. März 2012 in der Thomaskirche. Anlässlich des Festjahres der THOMANA wird der Kino-Dokumentationsfilm “Die Thomaner“ am 16.2.2012 seinen Kinostart erleben. Zu Beginn steht aber die Eröffnung der Sonderausstellung am 19. März 2012 im Stadtgeschichtlichen Museum. Hier können sich die Besucher auf eine Entdeckungsreise in die Geschichte des Thomanerchores begeben und sich seinen Traditionen nähern. Zu sehen sind wertvolle Ausstellungsstücke und unbekannte Dokumente aus acht Jahrhunderten, die nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zusammengetragen und aus ungewöhnlichen Blickwinkeln präsentiert werden. Die Geschichte des Chores wird unter thematisch relevanten Fragestellungen betrachtet und sinnlich erlebbar gemacht. Die Besucher können in die Vergangenheit eintauchen und ein Gefühl dafür entwickeln, was es in verschiedenen Epochen bedeutete und bedeutet, Thomaner zu sein. Zum Festakt am 20. März 2012 in der Thomaskirche sind zahlreiche Vertreter aus Politik, Kultur und Kirche eingeladen. Der Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland Christian Wulff hat seine Anwesenheit bestätigt. Im Anschluss an den Festakt erfolgt ein Festumzug zum Campus des forum thomanum, wo bereits fertiggestellte Bauabschnitte übergeben werden. Damit wird ein entscheidender Abschnitt in der Geschichte dieser international geprägten musischen Bildungs- und Begegnungsstätte markiert. Bei einem Fest der Knabenchöre zur Motette am 24. März 2012, 15 Uhr in der Thomaskirche haben die Besucher die Möglichkeit, zusammen mit dem Thomanerchor zugleich vier der renommiertesten Knabenchöre der Welt zu erleben. Der Dresdner Kreuzchor, die Regensburger Domspatzen und der Chor des King's College aus Cambridge werden als Gratulanten und Gäste erwartet.
Die Festwoche der Thomasschule findet vom 17. bis 23. September statt und präsentiert u. a. ein Schulmusical und Theaterdarbietungen verschiedener Gastschulen, zudem wird zu einer Bildungskonferenz geladen. Die Feierlichkeiten enden mit dem Jubiläumsball am 22.September 2012 im Gewandhaus zu Leipzig. Mit dem Festgottesdienst zum Reformationsfest und der Uraufführung der Festmusik von Heinz Holliger am 31. Oktober 2012 beginnt die Festwoche der Thomaskirche. Sie ist ein Höhepunkt der Lutherdekade, die im Jahr 2012 das Thema «Reformation und Musik» in den Fokus rückt. Gemeinsam mit der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig veranstaltet die Thomaskirche den zweitägigen Kongress „Kirche in der Gesellschaft“. Ein „Abend der Begegnung“ mit anderen in Leipzig tätigen Religionsgemeinschaften soll verdeutlichen, dass sich die Kirchgemeinde zur multikulturellen und multireligiösen Gesellschaft bekennt. Unter der Leitung von Jiri Petdrlík und mit musikalischer Unterstützung des Orchester Brno und der B Side Band wird erstmalig eine Jazz-Messe in der Thomaskirche aufgeführt. Alle Informationen zum Festjahr von Thomaskirche, Thomanerchor und Thomasschule erhalten Sie unter www.thomana2012.de Roman Friedrich Bach in Australien angekommen
Mit Gründung der „Australian Bach Society Inc.” in Melbourne im Oktober 2011 ist J.S. Bach nun endlich in Australien angekommen. So könnte man meinen, denn bislang gab es keine Bachgesellschaft auf dem Fünften Kontinent. Natürlich werden Werke von J.S.Bach aufgeführt. Hierbei zeichnet sich die Radiostation ABC Classic FM besonders aus. Und seit 15 Jahren sind in der Luth. Kirche St. Johns Southgate in Melbourne Bach-Kantaten-Gottesdienste unter der Leitung von Graham Lieschke zu erleben, wie zu Bach’s Zeiten in Leipzig.
Von links: Organist Anthony Halliday, Ullrich Böhme und Hans Schroeder an der Deutschen Dreifaltigkeitskirche in Melbourne Und Graham Lieschke war es auch, der 2006 Thomaskantor Georg Christoph Biller zu einem Besuch „downunder“ einlud und damit eine Reihe von Aktivitäten auslöste: Die als historisch bezeichnete erste Tour des Thomanerchores im März 2009 nach Australien mit Konzerten im Sydney Opernhaus und in Melbourne – hier drei Aufführungen der „Johannes-Passion“ mit dem Melbourne Symphony Orchester. Danach gastierten mit dem Trinity College Choir und dem Australian Chamber Choir zwei der besten Konzertchöre Australiens in der Thomaskirche in Leipzig. Man horchte auf, wie diese Antipoden aus dem „Känguruh-Land“ klassische und zeitgenössische geistliche Musik zu interpretieren wussten. Und nun ist die Zeit reif für ein „Bachfest Melbourne“ meint Hans Schroeder, Kirchenvorsteher der Deutschen Ev.Luth Dreifaltigkeitsgemeinde Melbourne (www.kirche.org.au) , der diese Entwicklung maßgeblich vorangetrieben und mit Gründung der „Australian Bach Society Inc.“ den organisatorischen Rahmen für „Bach@Trinity 2012“ geschaffen hat. Angeregt durch das EKD-Leitthema „Reformation und Musik“ und „800 Jahre Thomana“ will Hans Schroeder mit diesem Projekt unter dem Titel „Bach-Zeitlos“ Konzerte, Vorträge, Film-Aufführungen und Aktivitäten mit und für Kinder über das Gesamtjahr verteilt bringen. Neben vor allem jungen und talentierten Musikern aus Melbourne sind auch Gäste aus Deutschland eingeladen, u.a. Kammersänger Martin Petzold und KMD Matthias Böhlert (Salzwedel), der während des knapp zweiwöchigen Aufenthaltes seine Erfahrung in Chor- und Orgelwerken einbringen wird. Schirmherr ist übrigens Thomaskantor Georg Christoph Biller. Melbourne, 18.10.2011 – Hans Schroeder
Verschenkte Schätze
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