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Bach-JahrbuchDas Bach-Jahrbuch erscheint seit 1904 und stellt das älteste wissenschaftliche Periodikum dar, das einem einzelnen Musiker gewidmet ist. Durch zusammenfassende Jahrgänge während des Zweiten Weltkrieges und in der Nachkriegszeit - durch Einsparungen verursacht - wird im Jahr 2004 erst der 90. Jahrgang erscheinen. Es repräsentiert sowohl durch seine Beiträge als auch durch die bisher regelmäßig hier veröffentlichte Bach-Bibliographie den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Bachforschung. Im Anschluss finden Sie das Inhaltsverzeichnis des neuesten Jahrgangs.
95. Jahrgang 2009
INHALT
Tatjana Schabalina (St. Petersburg), "Texte zur Music" in St. Petersburg - Weitere Funde Tanja Kovacevic und Yo Tomita (Belfast), Neue Quellen zu Johann Sebastian Bachs Violinsoli (BWV 1001 - 1006). Zur Rekonstruktion eines wichtigen Überlieferungszweigs Ernst Koch (Leipzig), "Aus der Tieffen..." - Zur Entstehungsgeschichte der Kantate BWV 131 von Johann Sebastian Bach Andreas Glöckner (Leipzig), Ein weiterer Kantatenjahrgang Gottfried Heinrich Stölzels in Bachs Aufführungsrepertoire? Uwe Wolf (Leipzig), Oliver Hahn (Berlin) und Timo Wolff (Berlin), Wer schrieb was? Röntgenfluoreszensanalyse am Autograph von J. S. Bachs Messe in h-moll BWV 232 Peter Wollny (Leipzig), Beobachtungen am Autograph der h-moll Messe Michael Maul (Leipzig), "Die große catholische Messe". Bach, Graf Questenberg und die "Musikalische Congregation" in Wien Christoph Wolff (Cambridge, MA und Leipzig), Carl Philipp Emanuel Bachs Trio in d-moll (BWV 1036/Wq 145)
Kleine Beiträge Hans-Joachim Schulze (Leipzig), Johann Sebastian Bachs Himmelfahrts-Oratorium und Picanders Geburtstagskantate für "Herrn J. W. C. D." Maria Hübner (Leipzig) und Stefan Krabath (Dresden), Archäologische Funde aus den mutmaßlichen Gräbern von Johann Sebastian und Anna Magdalena Bach Ulf Wellner (Lübeck), Ein unbekanntes Möbelstück aus dem Besitz Johann Sebastian Bach Michael Maul (Leipzig), Ein neues Dokument zu Bachs Instrumentenverleih
Besprechungen Jürgen Neubacher, Georg Philipp Telemanns Hamburger Kirchenmusik und ihre Aufführungsbedingungen (1721 - 1767). Organisationsstruktur, Musiker, Besetzungspraktiken. Hildesheim - Zürich - New York: Georg Olms Verlag 2009 (Magdeburger Telemann-Studien.XX). 585 S. (Hans-Joachim Schulze, Leipzig) The Century of Bach and Mozart. Perspectives on Historiography, Composition, Theory and Performance. In Honor of Christoph Wolff, hrsg. von Sean Gallagher und Thomas Forrest Kelly. Cambridge, MA: Harvard University Press, 2008 (Isham Library Papers. 7; Harvard Publications in Music. 22). 427 S. (Stephen Roe, London) About Bach, hrsg. von Gregory G. Butler, George B. Stauffer und Mary Dalton Greer, Urbana und Chicago: Univerity of Illinois Press 2008. 216 S. (Peter Wollny, Leipzig)
Bach-Jahrbuch 2009
Der diesjährige Band enthält acht große und vier kleine Beiträge von international renommierten Wissenschaftlern aus Deutschland, Irland und Rußland. Tatjana Schabalina setzt ihren im BJ 2008 begonnenen Bericht über ihre Entdeckungen von Heften mit „Texten zur Leipziger Kirchen-Music“ fort. Zu ihren diesjährigen spektakulären Funden gehören ein Textheft zum Choralkantaten-Jahrgang, der Erstdruck des berühmten Picander-Jahrgangs und das Heft zur Passionsmusik des Jahres 1744, das überraschenderweise eine Wiederaufführung der Markus-Passion in leicht erweiterter Form dokumentiert. Die beiden an der Queen’s University in Belfast lehrenden Forscher Tanja Kovacevic und Yo Tomita stellen wichtige neue Quellen zu Johann Sebastian Bachs Violinsoli (BWV 1001–1006) vor. Neues Licht fällt auf die Rezeption des Zyklus in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und auf die Überlieferung des erstmals 1842 nachweisbaren Autographs. Der Leipziger Theologe Ernst Koch erkundet den Entstehungskontext der Mühlhäuser Kantate „Aus der Tiefen rufe ich, Herr, zu dir“ BWV 131, die Bach nach eigener Aussage „auff begehren Tit: Herrn D: Georg: Christ: Eilmars in die Music gebracht“ hat. Die Überlegungen kreisen dabei um die Bedeutung dieser Mitteilung und die Stellung des Werks im Rahmen eines über lange Zeit erbittert geführten Mühlhäuser Theologenstreits. Andreas Glöckner knüpft mit seinen Forschungen an die im Bach-Jahrbuch 2008 angestoßene Diskussion zu Bachs Beschäftigung mit dem Kantatenschaffen des Gothaer Kapellmeisters Gottfried Heinrich Stölzel an. Nach seiner Auffassung hat Bach nicht nur Stölzels Kantatenjahrgang „Das Saiten-Spiel des Hertzens“ gekannt und in den Leipziger Hauptkirchen aufgeführt, sondern auch dessen Zyklus „Das Nahmen-Buch Christi“ (beide auf Dichtungen von Benjamin Schmolck). Drei Beiträge befassen sich mit dem vertrackten Themenkomplex h-Moll-Messe. Das Autorentrio Uwe Wolf, Oliver Hahn und Timo Wolff berichtet über die Röntgenfluoreszenzanalyse – eine innerhalb der musikwissenschaftlichen Forschung neuen Methode, die eine exakte Unterscheidung von Tinten und damit von eigenhändigen und fremden Eintragungen in die autographe Partitur erlaubt. Die Untersuchungen wurden im Zusammenhang mit einer kritischen Neuausgabe der h-Moll-Messe durchgeführt; sie eröffnen zugleich aber zahlreiche weiterführende Perspektiven. Peter Wollny versucht Fremdeintragungen mithilfe der klassischen Methode des Schriftvergleichs zu bestimmen. Die Zuweisung einiger Zusätze an den zweitjüngsten Bach-Sohn Johann Christoph Friedrich führt zu der Vermutung, daß Bach im Herbst 1749 – vermutlich für einen auswärtigen Besteller – einen Stimmensatz anfertigen ließ, was wiederum die Frage nach der Fertigstellung und Bestimmung des Werks nach sich zieht. Einer möglichen Beantwortung dieser Frage widmet sich der Beitrag von Michael Maul, in dem die Hypothese aufgestellt und begründet wird, Bach habe die h-Moll-Messe auf Veranlassung von Graf Questenberg für eine Aufführung der „Musicalischen Congregation“ in Wien geschrieben. Christoph Wolff untersucht Carl Philipp Emanuel Bachs Triosonate in d-Moll (BWV 1036/Wq 145), das einzige frühe Kammermusikwerk des zweitältesten Bach-Sohns, von dem neben der „erneuerten“ Berliner Version auch die bereits in Leipzig entstandene Frühfassung erhalten ist. Die Reihe der „Kleinen Beiträge“ wird eröffnet mit Hans-Joachim Schulzes Spurensuche zu einer Geburtstagskantate für „Herrn J. W. C. D.“ aus der Feder von Bachs Leipziger Textdichter Picander und deren – von der älteren Forschung angenommenen – Verbindung zum Himmelfahrts-Oratorium. Maria Hübner und Stefan Krabath erläutern die Fundgeschichte und Bedeutung von Artefakten, die um 1900 in den exhumierten mutmaßlichen Gräbern von Anna Magdalena und Johann Sebastian Bach auf dem Leipziger Johannisfriedhof entdeckt wurden. Ulf Wellner stellt ein unbekanntes Möbelstück aus dem Besitz Johann Sebastian Bachs vor – eine eiserne Geldkiste, die im Innendeckel mit dem Bach-Wappen ausgestattet ist. Michael Maul schließlich stellt ein neues Dokument zu Bachs Instrumentenverleih vor. Die gegenüber einem Schlichtungsgremium der Universität vorgebrachte Beschwerde über einen säumigen Leihnehmer erhält ihre besondere Relevanz durch das späte Datum (10. Juni 1750) und neue Aufschlüsse über Bachs Nebenverdienste. Peter Wollny ++++++++
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